Kapelle Allerheiligenberg
Kapelle Maria und aller Heiligen
Die Kapelle Allerheiligenberg wurde im 17. Jahrhundert von Johann Carl Grimm erbaut, welcher einer vermögenden Solothurner Patrizierfamilie entstammt und Ratsherr und Gardehauptmann in französischen Diensten war. Grimm erwarb den Sennberg «Hof zuBerkiswil» und liess einen stattlichen Herrenhof errichten. Die Kapelle fand in der westlich an das Herrenhaus anstossenden Hofstatt ihren Platz. Sie wurde zu Ehren der Jungfrau Maria und aller Heiligen geweiht. Die bischöfliche Erlaubnis zum Feiern von Messen datiert auf den 17. September 1697.
Von der privaten Kapelle zum Pilgerweg
Ursprünglich wurde die Kapelle für den sonntäglichen Messebesuch der Besitzer und Pächterverwendet. Die Hofkapelle wurde aber nach und nach zu einer bekannten Wallfahrtsstätte. Leute aus der Umgebung, aus dem Freiamt und dem Luzernischen pilgerten auf den Berg zu «Maria und aller Heiligen», kurz, auf den Allerheiligenberg. Von der Wallfahrt zur Muttergottes auf dem Allerheiligenberg erhoffte man sich Bewahrung oder Heilung von allerlei Krankheiten. Im Jahr 1858 wurde ein Kreuzweg mit 14 Stationen vom Gnöd in Hägendorf über den Alt Wäg bis zur Kapelle angelegt.
Abriss der Kapelle
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen Wallfahrten aus der Mode. Die Kreuzwegstationen auf den Allerheiligenberg verfielen, und die dortige Kapelle verlor an Bedeutung. Infolge des Fundamentaushubes für das Sanatorium nahm die Bausubstanz der vernachlässigten Kapelle Schaden und sie musste im 1909 aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden.
Eine Glocke mit Geschichte
Die Glocke der Kapelle musste im Jahr 1886 in Reparatur gebracht beziehungsweise in Aarau umgegossen werden, da sie gesprungen war. Auf der Glocke sind der Name des Stifters und die Jahreszahl 1697 abgebildet, darunter ein Relief des Gekreuzigten und am Fuss des Kreuzes als Memento mori Schädel und Knochen. Auf der gegenüberliegenden Glockenseite befindet sich die lateinische Inschrift «Jesus von Nazareth, der König der Juden, möge alles Unheil von uns wenden. O heiliger Gott, Du Heiliger, Starker, Heiliger, Unsterblicher, erbarme dich unser!».
Zwischenstation im Museum in Olten
Nach dem Abbruch der Kapelle wurde die Glocke zuerst im Sanatorium, in den 1930er Jahren dann im Historischen Museum Olten aufbewahrt. Infolge der Erweiterung des Sanatoriums auf dem Allerheiligenberg fand sie 1961 auf dem Flachdach des Anbaus einen neuen Platz. In einem eisernen Gerüst aufgehängt und mit einem elektrischen Antrieb versehen, rief sie bis zur Schliessung des Spitalbetriebs im Jahr 2011 zum sonntäglichen Gottesdienst.
Rückführung an den ursprünglichen Ort
Im Rahmen des Themenweges «Himmel und Hölle» wurde die Glocke wieder an ihren ursprünglichen Platz der Kapelle Allerheiligenberg zurückgebracht. Sie wurde am 28. Oktober 2023 feierlich geweiht.
Historische Quellen: Hans A. Sigrist, Hägendorf